auf Kultour mit …

Begegnungen
Subscribe

Fritz Roth

Juni 20, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

Alles beginnt mit der Sehnsucht

Fritz Roth wurde 1949 in Eikamp/NRW geboren.
Sein Vater führte einen Bauernhof und wollte, dass auch der Sohn Bauer werden sollte.
Fritz Roths Vater war ein Geschichtenerzähler, der es verstand „Geschichten zu zaubern und Geschichten in Geschichten zu finden.“
Und so fand auch Roth jun. seine eigene Geschichte. Zunächst absolvierte er eine humanistisch geprägte Schulbildung am St. Michaels-Gymnasium in Stey in den Niederlanden, danach wollte er Priester werden.


“Aber am richtigen Zeitpunkt sind mir immer die richtigen Menschen begegnet”, sagt Roth. Das führte dazu, dass er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln mit dem Abschluss “Diplom-Kaufmann” studierte. Sein Ziel war es dann bald, in den Vorstand eines großen Energiekonzerns zu wechseln.
Doch hierzu kam es nicht, weil ihm ein Bestattungshaus in Bergisch Gladbach angeboten wurde und Roth ohne zu zögern zugriff.
„Mein größtes Glück war, dass ich keine Ahnung hatte. Mit Bestattung hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nichts zu tun“, meint Fritz Roth.
Zu Gute aber kamen ihm seine Kindheitserfahrungen auf dem Bauernhof sowie die humanistische Erziehung in der Klosterschule, die den Tod als eine natürliche Begebenheit begriff.

Heute führt Roth außer Pütz-Roth noch andere Bestattungshäuser sowie eine private Trauerakademie.
Fritz Roth hat die Branche ordentlich aufgemischt.
Er ist ein weltweit gefragter Referent, hat viele Bücher veröffentlicht und übt eine Vielzahl öffentlicher und ehrenamtlicher Ämter aus.

Sein Reisekonzept „Eine Reise ins Leben“ in Zusammenarbeit mit dem Reiseunternehmen TUI wurde von GEO Saison in der Kategorie Pauschalreisen mit der “Goldenen Palme 2011″ für Konzept und Umsetzung ausgezeichnet.

Kommt der Mann mit dem vollen Terminkalender, der dafür plädiert inne zu halten und zur Ruhe zu kommen, denn noch selbst zur Ruhe?
Ja, meint Roth, denn er nimmt sich bewusst Auszeiten, genießt Gutes Essen und engagiert sich in Kultur und Kunst.
„In drei Jahren nehme ich mir sogar mal ein ganzes Jahr Auszeit und danach werde ich mich ausschließlich auf das Thema Tod und Trauer konzentrieren“, bemerkt der Trauerbegleiter.

Trauer ist Liebe


Im Bergischen Land, vor den Toren Kölns liegt in einem Wald auf einer Anhöhe das “Haus der menschlichen Begleitung”. Es ist der Sitz des Bestattungshauses Pütz-Roth und der “Privaten Trauer Akademie Fritz Roth”.

Hier hat der Trauerbegleiter Roth fernab jeglicher Sterilität von Totenkammern und Friedhofskapellen eine Umgebung geschaffen, in der das Leben zu Hause ist.


Die kleine rote Holzvilla (‘Villa Trauerbunt”) ist ein Haus ganz allein für trauernde Kinder. Unter der Anleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Vereins “Domino” finden hier Kurse und Gesprächskreise statt, die trauernden Kindern dabei helfen sollen, Verlusterfahrungen konstruktiv aufzuarbeiten.
Im Hauptgebäude ermöglichen spezielle Abschiedsräume erwachsenen Angehörigen und Freunden in heller, freundlicher Atmosphäre Ruhe für ihren ganz persönlichen Abschied zu finden. Hier können sie den Verstorbenen noch einmal in den Arm nehmen, ihn berühren und das Unfaßbare im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, durch kreative Betätigung (Basteln, Schreiben und Malen) ihre Gefühle zum Ausdruck bringen oder gemeinsam Musik hören oder Erinnerungen auf Video betrachten.
In einem ausgedehnten Werkstattbereich besteht außerdem die Möglichkeit z.B. eine Totenmaske anzufertigen oder den Sarg selbst zu bemalen.

Der ‘Pfad der Sehnsucht’


Trauer und Liebe ist auch das Credo der Kunst, die in den Räumlichkeiten des Bestattungshauses zu sehen ist. Mit seinem sog. “Jahreskünstler-Projekt” ermöglicht Roth jedes Jahr einem Künstler sein Haus ein ganzes Jahr mit Arbeiten auszustatten. In diesem Jahr ist es Michael Wittassek.
“Ich möchte sehen, ob die Nähe zum Tod das kunstschaffende Wirken beeinflusst und wie ein kunstschaffender Mensch mit seinen Augen unsere Arbeit sieht”, erklärt uns der Bestatter.


Fritz Roth wollte auch uns die Weisheit des Hauses begreifbar machen, deshalb führte er uns durch seine umfangreiche Kunstinstallation in der “Privaten Trauer Akademie”.
Wie eine Steinlawine bricht der Tod in die alltägliche Welt. Und beim ersten Schritt durch die Tür in den kleinen, mit einer Wandleuchte erhellten Raum, bin auch ich verunsichert und komme zunächst aus dem Tritt. Ich will (alleine) weiter gehen, doch Roth fordert mich auf, halt zu machen und zuzuhören: “Es ist wichtig, seinen eigenen Weg durch ein Trümmerfeld finden. Niemand hat ein Anrecht auf Morgen und durch die natürliche Begrenzung Tod kann ich wieder die Ressource Leben entdecken. Leben braucht Gemeinschaft und durch Kommunikation entsteht Kultur.”

Gemeinsam sperren wir eine kleine unscheinbare Tür am Rande des Ganges auf. Ich hätte sie fast übersehen.


Sie führt uns in den Raum der “Vergessenen Kindheit”. Hier hat die Künstlerin Ulrike Oeter die Ursprünge ihrer und anderer Kindheit(en) abgebildet. “Wenn ich an meine Wurzeln gehe, geerdet bin, halte ich auch die Stürme aus, die täglich über mich hinwegfegen”, erläutert uns Fritz Roth.



Ein von innen beleuchteter Mantel besteht aus Papierstreifen. Oeter hat die Briefe ihres Vaters aus dem Russland- und Polenkrieg auf Spezialpapier übertragen, die Bögen in Steifen geschnitten und daraus einen Umhang hergestellt, den es gilt in der eigenen Vorstellung über zu ziehen und sich dabei seiner eigenen Ursprünge bewusst zu werden.
Es sind viele Geschichten und Denkwürdigkeiten in diesem Raum.
Wir staunen, verweilen, erleben den Augenblick, rückblickend.
“Angesichts der Endlichkeit ist das Verweilen im Augenblick eine große Chance”, sagt Fritz Roth.

Später in den anderen Räumen erleben wir Grenzerfahrung, Vertrauen, Zerbrechlichkeit und Einzigartigkeit.

“Ich setze meinen Fuß in die Luft und ich fühlte sie trug mich.”
Dieses Zitat der Lyrikerin Hilde Domin soll für mich Wirklichkeit werden und stellt mich vor eine der größten Herausforderungen dieses Nachmittags.
Der Weg über einen gläsernen Boden, unter mir ein großes Nichts, führt zu einem Gang mit langen Glasregalen, links und rechts verschlossene Türen.
All das symbolisiert die Einzigartigkeit des Augenblicks und die Zerbrechlichkeit von Beziehungen. In Spiegelscherben zeigt sich der blaue Himmel und überall liegt Erinnerung.


Nach dem Verlassen des Pfades, finden wir uns draußen auf einer Wiese wieder und bewegen uns am Rande der “Gärten der Bestattung”.

“Wir sind Analphabeten für das Wahre im Leben, deshalb brauchen wir Bilder. Über Bilder entwickeln wir unsere eigenen Träume und Sehnsüchte”, resümiert der Trauerbegleiter.

Wir danken Fritz Roth für die starken Bilder und einen unvergesslichen Nachmittag.

Angelika Röthgen und Ellen Eggers

Juni 04, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

Ein Leben ohne Schweinehund

Es geht ums Essen oder vielmehr um das schlechte Gewissen und den Stress mit dem Essen, der viele Menschen plagt. Die Autorinnen und Trainerinnen Angelika Röthgen und Ellen Eggers machen Schluss damit und treten für ein Leben voller Leichtigkeit, ohne Schuld und Reue ein.


Ellen Eggers (rechts im Bild) lebt und arbeitet in Köln. Die Pädagogin mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung ist Ernährungsberaterin, coacht und berät Klienten zum Thema Essen und verfügt über langjährige Erfahrung in eigener Praxis.
Aufgrund persönlicher Erfahrungen und weil sie vor etwa 15 Jahren die Lösung für ihre eigenen Gewichts-Probleme gefunden hatte, entwickelte Eggers die Alpha-Swing-Methode® auf der Grundlage des NLP (Neurolinguistisches Programmieren). In der 2007 von ihr gegründeten Alpha-Swing-Akademie in Köln führt sie Fortbildungen für ErnährungsberaterInnen, HeilpraktikerInnen und Fachrichtungen mit psychologischem und beratendem Hintergrund durch.
2007 erschien auch Ellen Egers Buch Das Schweigen der Lämmlein: So zähmen Sie die inneren Stimmen, die Sie zum Essen verführen im Mosaik Verlag bei Goldmann.

Angelika Röthgen studierte in Köln und London mit dem Abschluss als Diplom-Übersetzerin. Später lebte sie einige Jahre in Australien.
Nach der weltweiten Betreuung von Großprojekten für ein TV-Produktionsunternehmen und vielen Zusatzausbildungen, arbeitet Röthgen seit 1998 als Projekt-Coach und Beraterin in Köln.
In der Arbeit mit KlientInnen spürt sie erfolgsverhindernde Sichtweisen auf, setzt bewährte Methoden zur Persönlichkeitsentwicklung ein und nutzt dabei aktuelle Erkenntnisse der Neurowissenschaften.

Ellen Eggers und Angelika Röthgen gründeten 2011 den AREE – Neue Denkenweisen Verlag und veröffentlichten das Buch und Lernspiel “Ein Leben ohne Schweinehund”

Wir trafen die Autorinnen im Stadtgarten in Köln.



Größere Kartenansicht
Der Kölner Stadtgarten ist ein Landschaftspark, ein Stadtbiotop mit etwa 80 Arten heimischer aber auch exotischer Baum- und Gehölzarten, der den Bürgern im Sinne “Der schönen Gartenkunst” des Berliner Landschaftsgestalters und Städtischen Gartendirectors Johann Heinrich Gustav Meyer zur Erholung dienen soll.

Zwischen 1827 und 1828 wurde der Park auf dem Gelände vor der Kölner Stadtmauer als Schmuckgarten mit einer angegliederten provinzialen Baumschule angelegt und in den Jahren 1888 bis 1890 von Gartenbaudirektor Adolf Kowallek, einem Schüler Meyers, von 11 auf 6 Hektar verkleinert und neu gestaltet.

Im (Ein)Klang mit der Natur


2007 wurden auf Initiative des Fördervereins ProStadtgarten 2007 im Stadtgarten Klangskulpturen aufgebaut.
Für Literaturliebhaber richtete der Förderverein StadtBibliothek Köln e. V. 2009 die deutschlandweit erste Mini-Leihbibliothek “minibib” mit einer Auswahl von mehr als tausend Büchern am Rande des Parks ein.

Kein Wunder, dass es hier auch die beiden Pioniere im Sichtweisenwechsel hinzieht. Ellen Eggers und Angelika Röthgen sind mit ihrer Denkweise neue Wege gegangen und sie gründeten einen eigenen Verlag, weil die Idee nicht verwässert werden sollte.
“Wir wollen keinem Trend entsprechen, sondern genau das veröffentlichen, von dem wir überzeugt sind, dass es funktioniert. Die Leser sollen mit dem Buch arbeiten können und das Feedback ist uns besonders wichtig”, so Röthgen.

Vertraue auf Deine Bedürfnisse und wähle


Das Leben ohne Schweinehund ist ein Perspektivenwechsel. Ellen Eggers schildert das so: “Viele meinen heute immer noch, dass man Ziele deshalb nicht erreicht, weil man nicht genug Disziplin und eisernen Willen aufbringt. Irrtum! Die aktuellen Ergebnisse der Neurowissenschaften zeigen: Verstand und Willen sind nur zu einem kleinen Teil direkt ausschlaggebend dafür, wie wir denken und handeln.
Tatsächlich liegen die Auslöser für die Mehrzahl unserer Gedanken und Handlungen auf einer unbewussten Ebene.”
Deshalb vermitteln Röthgen und Eggers, wie man den Fokus auf das Innere richtet, um die vielen Facetten der Persönlichkeit zu entdecken. Aber sie geben keine Ratschläge, die zeigen, was zu tun ist, um das Verhalten zu verändern.
“Mit unserer Anleitung kann jeder selbst methodisch und spielerisch erkunden, was alles in seinem Inneren abläuft, wenn es um ganz persönliche Themen und Ziele geht – als Grundlage für jede gewünschte persönliche Veränderung”, resümieren Angelika Röthgen und Ellen Eggers.

Zu erwähnen wäre noch: Am Rande des Stadtgartens befindet sich das von der „Initiative Kölner Jazz Haus e.V.“ ins Leben gerufene Konzerthaus mit gleichem Namen, welches aus einem Konzertsaal, einem Live-Club (Studio 672), einem Café- Restaurant mit Biergarten und Gartenrestaurant besteht.

Und so wählen wir am Ende den Gang ins Stadtgarten-Café, in dem wir bei Kaffee und Kuchen unser interessantes Gespräch ausklingen lassen.
Kein Stress, kein schlechtes Gewissen, denn uns ist klar geworden worum es geht.

Carlos Garcia Piedra

Mai 21, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

“Immer zu, immer zu – dreht euch, wälzt euch.” Woyzek

Carlos Garcia Piedra wurde 1966 in Spanien geboren. Im schulfähigen Alter zog er als Kind spanischer “Gastarbeiter” nach Köln.


In der Nähe des Kölner Theaters TIEFROT, in dem Garcia später etliche Rollen spielen würde, lernte der junge Spross in der sog. Vorbereitungsschule deutsch.
“Nach meinem freien Leben in der Nähe von Madrid war Deutschland ein Kulturschock für mich”, erläutert uns der Schauspieler.
Garcia war ein schwieriger Schüler. Aber sein Vater, dem als Opern- und Filmliebhaber Bildung sehr wichtig war, nahm großen Einfluss auf die künstlerische Entwicklung seines Sohnes.
Erste prägende Theatererfahrungen machte Garcia Junior mit 14 Jahren. Bertold Brechts Stück “Furcht und Elend” weckte in ihm die Leidenschaft, die Bretter, die die Welt bedeuten, zu erobern.
Aber zunächst absolvierte Garcia eine “seriöse” Ausbildung als Speditionskaufmann, arbeitete in einer Kunstspedition und kam dort mit vielen, mittlerweile hochdotierten Künstlern und Kunstwerken in Kontakt.

“Soll ich? Muss ich?” Woyzek
Carlos Garcia Piedra musste! Dem inneren Verlangen folgend, kündigte er den sicheren Job, bewarb sich 1991 an der Folkwang Universität der Künste und erhielt dort beim ersten Vorsprechen die ernüchternde Einschätzung: “Sie sind doch Kaufmann. Wie kommen Sie darauf Schauspieler werden zu wollen?”

Der erste Versuch, den geraden Weg einzuschlagen, endete mit der Erkenntnis: “In diesem Beruf geht es nicht nur um Talent, sondern auch um Politik”.

Carlos Garcia Piedra ließ sich nicht einschüchtern, nahm Privatunterricht bei renommierten Schauspiel- und Sprechlehrern wie Christoph Hilger und Manfred Schwabe und kann mittlerweile auf etliche Theater- aber auch Film- und Fernseh-Engagements sowie (Synchron-)Sprecherrollen zurück blicken.

2007 wurde der Schauspieler für den Kölner Theaterpreis („Die Grönholm Methode“, Theater TIEFROT) nominiert. Zuletzt spielte er in Büchners Drama “Woyzeck”.

Wir trafen Carlos Garcia Piedra im COMEDIA Theater, Köln



Größere Kartenansicht

Seit über 25 Jahren steht das COMEDIA Theater Köln für anspruchsvolle Theaterarbeit.
Der Vorstellungsbetrieb stützt sich auf fünf Programm-Bereiche. In zwei Sälen werden Eigenproduktionen in den Bereichen Kindertheater und Junges Theater sowie hochkarätige Gastspiele aus Kabarett & Comedy sowie Theater, Tanz und Konzerte, Lesungen präsentiert. Außerdem finden theaterpädagogische Kurse und professionelles Schauspieltraining in dem ehemaligen Feuerwehrgebäude statt. Mit seinen spielplanbegleitenden Angeboten sieht sich das Haus deshalb auch als Einrichtung der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche.

“Es wartet keiner auf Dich. Wo Du nicht bist, wirst Du nicht gesehen.”


Im Comedia Theater trifft Carlos Garcia Piedra regelmäßig Kollegen. Hier tauscht man sich über neue Produktionen aus, erzählt sich verschiedene Neuigkeiten und diskutiert z.B. auch über die Auswirkungen des Schauspieler-Überangebots. Aufgrund ungenügender Kulturfinanzierung durch die öffentliche Hand, scharfer Konkurrenzkämpfe kleiner Produktionsfirmen usw. werden Schauspielern oft unsichere und schlecht bezahlte Arbeitsbedingungen geboten.


Wer den Schauspieler als begnadeten Künstler und gefeierten Star betrachtet, orientiert sich an den wenigen Bühnengrößen und Fernsehberühmtheiten und übersieht dabei, dass sich für den größten Teil dieser Berufsgruppe der Arbeitsalltag zwischen temporärer Arbeitslosigkeit, kurzfristigen Engagements, Saisonverträgen in Tourneetheatern und zermürbenden Kämpfen um die Gunst von Intendanten und Regisseuren abspielt.

“In diesem Beruf darfst Du Dir keine Pause gönnen”, meint Garcia, denn nicht nur die Beschäftigungsbedingungen sondern auch die darstellerische Arbeit stellen hohe Anforderungen an den Schauspieler.
Einerseits beansprucht die intensive Auseinandersetzung mit der darzustellenden Figur große mentale und intellektuelle Fähigkeiten und andererseits erfordert das Rollenhandeln, das sich sehr häufig in mindestens Zwei-Personen-Dialogen vollzieht, eine hohe soziale Kompetenz.

“Es gibt nicht nur den einen Weg, jeder kommt auf seine eigene Art zu seiner Rolle. Ich glaube an meine kontinuierliche Entwicklung als Schauspieler”, resümiert Carlos Garcia Piedra und wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg dabei.

Yasemin und Ali Balaban

April 30, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

Kulturelle Vielfalt – gelebte Integration

Ali Balaban, 1957 in Istanbul geboren, führt seit über 30 Jahren das Restaurant Bosporus in der Kölner Weidengasse.
Der leidenschaftliche Gastronom absolvierte erfolgreich ein Architekturstudium an der Fachhochschule in Köln, bevor er sich 1983 in der Gastronomie selbstständig machte.

Balabans Philosophie war es immer, Menschen in der Funktion eines Brückenbauers zusammenzuführen, sie miteinander in Kontakt zu bringen und etwas zu ihrem Wohlbefinden beizutragen.
Von dieser Devise lässt er sich bis heute leiten.


Yasemin Balaban, ist Groß- und Außenhandelskauffrau, arbeitete in der Marketingabteilung von Aurora und ist derzeit im Bereich Immobilien der GALERIA Kaufhof GmbH tätig. Im Bosporus ist sie für die PR und das Wohl der Gäste zuständig.

Das Ehepaar betrachtet Essen als soziales Ereignis und Brücke zwischen den Kulturen.
Dabei sind beide überzeugt, dass eine Integration nur gelingen kann, wenn man sich die Wurzeln der eigenen Kultur bewahrt und sich ihrer von Zeit zu Zeit vergewissert.

Und so ist das Bosporus nicht nur eines der in Köln ältesten und bundesweit angesehensten türkischen Restaurants mit konstant hochwertiger türkischer Küche, sondern auch “Tourismusbüro” sowie Auskunftsstelle für viele Belange des täglichen Lebens.


Die legendäre Weidengasse
Wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt, zwischen dem Eigelstein und dem Hansaring bietet die Weidengasse ein anderes Stück Kölns.
In dieser Straße leben Gegensätze miteinander. Zahlreiche Kulturen und Nationalitäten begegnen sich auf engem Raum und es findet eine bunte Mischung orientalischen und südländischen Lebens und Arbeitens statt.

Vor einigen Jahrzehnten trauten sich viele Gäste, insbesondere Frauen nur mit Bodygards in dieses Viertel. Dazu, dass sich die Menschen nun wieder sicher fühlen und auch die Wohnqualität aufgewertet wurde, haben Yasemin und Ali Balaban einen großen Beitrag geleistet.
Denn so Yasemin Balaban: “Als immer mehr Menschen zu uns gekommen sind, um von ihren Sorgen in diesem Viertel zu berichten, mussten wir etwas tun.”
So gründeten die Eheleute vor 10 Jahren eine Interessengemeinschaft.
In dieser parteiunabhängigen Initiative versammelten sie Anwohner, alteingesessene Geschäftsinhaber, Vertreter der Stadt Köln, Polizei, Integrationsamt und Ordnungsamt.
Was zunächst als lose Versammlung gestartet wurde, hat sich nun zu einer festen Initiative entwickelt, die sich quartalsweise trifft und viele konkrete Erfolge erzielt hat.

Nicht nur eine Frage der Persönlichkeit, der Haltung und Einstellung, sondern auch der Ehre!


Wenn er ein wesentliches Ziel seiner täglichen Arbeit als Restaurantchef nennen sollte, dann “Alle meine Gäste sollen sich wohlfühlen und später glücklich das Restaurant verlassen”, so Ali Balaban.
Diese Einstellung hat Balaban vor über 5 Jahren die Mitgliedschaft in der „Confrérie de la Chaîne des Rôtisseurs“ beschert, eine Ehre die dem Bosporus als einzigem türkischen Restaurant in Deutschland zuteil wurde.

Balaban, der auch das Berufskolleg – Hotelfachschule berät, ist der Überzeugung, in der Gastronomie brauche es Bildung, Disziplin und Durchhaltevermögen.
Und so führt der Quereinsteiger das Restaurant und den Cateringservice (u.a. als Partner der Stadt Köln und Exklusivpartner des Schokoladenmuseums für türkische Küche) gut strukturiert und mit ganz persönlicher Note.

Denn so Balaban: “Es reicht nicht wenn sich niveauvolle Gastronomie durch hervorragende Küche auszeichnet. Es gehört schon etwas mehr dazu. Ohne Liebe geht es nicht.”


Ali Balaban ist nicht nur ein kreativer Gastronom, sondern er vertritt eine eigene Philosophie im Umgang mit den Menschen.
Ob Staatsgast, Prominenter oder Normalbürger, jeden Gast behandelt Balaban gleich gut.
Zu seinen Gästen gehörten bereits Politprominenz wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Ex-Bundespräsident Horst Köhler, sowie Schauspieler Götz George und die Moderatoren Alfred Biolek und Margarethe Schreinemakers.
Einige sind bis heute Stammkunden geblieben.

Grundsätzlich werben die bescheidenen Eheleute nicht mit ihren prominenten Gästen. Deshalb findet man im Restaurant – anders als in anderen Lokalen – kein einziges Foto von den Gastronomen zusammen mit Prominenten.
Auch die Presse muss draußen bleiben.

Vor einigen Jahren hatte der Kölner Galerist Michael Werner das Bosporus für 30 Personen gemietet.
An einer langen Tafel feierten u.a. Künstler wie Penck, Baselitz, Immendorf und Lüpertz zu orientalischer Musik und Darbietungen.
Die Gesellschaft hatte sich statt für ein Lokal in Paris oder New York für das Kölner Restaurant Bosporus entschieden.


Am Ende durften auch wir uns nicht nur von der familiären Atmosphäre, sondern auch von der vorzüglichen türkischen Küche, die von Chefkoch Seydi Citak
zubereitet wird, überzeugen.

Das war sicher nicht unser letzter Besuch bei Yasemin und Ali Balaban.

Cora Stephan

April 13, 2011 Von: admin Kategorie: Allgemein

“Schreiben ist wie das Formen einer Skulptur. Ich schnitze solange bis alles sitzt. “

Dr. Cora Stephan, 1951 bei Osnabrück geboren und aufgewachsen, studierte Politikwissenschaften, Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Hamburg und Frankfurt am Main. 1976 promovierte sie über die Geschichte der Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert.


Die Schriftstellerin und Publizistin lehrte an der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität (1976 bis 1983), arbeitete als Rundfunkmoderatorin, Lektorin und Journalistin (“Pflasterstrand”, “Spiegel”) und publizierte Essays und Kommentare.

In ihrem ersten Buch „Genossen, wir dürfen uns nicht von der Geduld hinreißen lassen!“ (1979) beschrieb sie die Anfänge der Sozialdemokratie.
Mit „Ganz entspannt im Supermarkt“ (1985) wurde sie Bestsellerautorin.

Seit 1987 arbeitet Cora Stephan als freie Publizistin, Kolumnistin und Essayistin (u.a. für alle Rundfunkanstalten, die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”, die “Welt”) sowie als Buchautorin und Vortragende.




Themen ihrer Veröffentlichungen sind: Geschichte und Politik, Frauen und Wirtschaft, Alter und Demografie.

Desweiteren war die Publizistin Jurymitglied für den alle zwei Jahre vergebenen Hoffmann-von-Fallersleben-Preis (seit 2003) und Mitglied im Beirat des NDR-Sachbuchpreises, der jährlich vergeben wird.

1999 veröffentlichte Stephan unter dem Pseudonym Anne Chaplet ihren ersten Kriminalroman. Mittlerweile sind zahlreiche weitere erschienen, für die sie zweimal den Deutschen Krimipreis sowie den Krimipreis von Radio Bremen erhalten hat.

Ihr aktuelles Sachbuch “Angela Merkel ein Irrtum” ist seit Februar 2011 im Buchhandel erhältlich.

Wir trafen Cora Stephan auf dem Frankfurter Börsenplatz während des Wochenmarkts.



Größere Kartenansicht

Mittendrin – Kulturgut Wochenmarkt

Wochenmärkte haben auch in Frankfurt eine große geschichtliche Tradition und sind ein Teil der Kultur dieser Stadt. Bereits im Mittelalter war Stadtrecht auch immer Marktrecht. Es regelte die Versorgung der Bürger innerhalb einer Stadt durch Waren von außerhalb.


Mitten in Frankfurt finden Einwohner der Stadt und der Umgebung seit 1996 jeden Freitag an 50 Marktständen ein großes Angebot an frischen Waren. Hier werden vor allem heimische Produkte frisch vom Landwirt und Erzeuger sowie Angebote der regionalen Küche (z. B. grüne Soße, Bratkartoffeln, Bratwurst, Wein und Apfelwein) angeboten. Anwohner, Geschäftsleute, Angestellte, Musiker treffen sich an den Ständen, um zwanglos Geschichten und Nachrichten auszutauschen.


Cora Stephan besucht regelmäßig diesen Wochenmarkt und genießt die persönlichen Kontakte zu Verkäufern bzw. Erzeugern.
So führen auch wir unser Gespräch mittendrin im Wochenmarktgeschehen in unmittelbarer Nähe zur Börse.

Stephan liebt Biographien und Geschichten über Menschen, die unerwartet Erfolge erreichen. So wie bei einigen Marktbauern, die sie persönlich kennt und deren aufstrebenden Werdegang sie verfolgt hat. Gerne ist sie auf dem Markt im Gespräch mit Verkäufern und Käufern oder beobachtet einfach die Menschen.

Die Figuren in ihren Kriminalromanen entwickelt die Schriftstellerin sehr detailreich und biografisch.
“Wenn Du eine Figur von der Geburt über den persönlichen, schulischen und beruflichen Werdegang entworfen hast, kannst du ihr nicht etwas zumuten, was nicht zu ihrem Charakter passt. Der Entwurf muss stimmen. Das mühevolle Arbeiten an jedem Detail macht mir aber großen Spaß. Erst wenn das gelingt, folgen die Figuren ihren eigenen Weg”, erklärt uns Stephan.

Über die Kanzlerin habe die Publizistin nur schreiben können, weil sie diese nicht persönlich besucht habe. “Wenn ich sie kennen gelernt hätte, hätte ich sie womöglich gemocht und das hätte mein Urteil verfälscht. Ich habe über das geschrieben, was ich von ihr wahrnehme, das was wir alle wahrnehmen und darüber, was ihre Politik für uns bedeutet”, meint Cora Stephan.


Die Idee zum Buch entsprang aus Enttäuschung. Denn, so die Autorin:
“Ich habe Angela Merkel mit Freude gewählt, weil sie für einen kurzen Moment eine historische Chance verkörperte. Angela Merkel kam mit fremden Blick in dieses Amt, war erfrischend und eine Frau, die mit ihrem Frausein keine symbolische Politik gemacht hat, sondern nüchterne Realitätssicht bewies. Von der mutigen ‘Reform Merkel’ ist aber nichts mehr übrig geblieben und mittlerweile bin ich der Meinung, dass wir unter Niveau regiert werden.”


Zurück von der Politik ins Krimi-Genre: Nichts fasziniert die Menschen so sehr wie Geschichten über Verbrechen, Verfolgung und Aufklärung.
Aktuell schreibt Cora Stephan einem neuen Kriminalroman.
Dabei ist die Schriftstellerin davon überzeugt, dass Figuren und Mordfälle in Romanen immer konstruiert sind und niemals die Wirklichkeit abbilden. “Insbesondere Serienmorde gibt es in der Realität verdammt selten, aber wenn man nach uns Krimiautoren ginge, wären so manche Orte menschenleer”, konstatiert die Schriftstellerin lachend.

Wir sind sehr gespannt auf ihren neuesten Kriminalfall und wünschen Cora Stephan einen inspirierenden Aufenthalt in ihrem “Schreibexil” in Frankreich.